Kirche des gerechten Friedens werden - (wie) geht das?

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Am 24. Oktober 2013 beschloss die Landessynode der Evangelischen Landeskirche in Baden "Kirche des gerechten Friedens" zu werden. Über die Erfahrungen und Ergebnisse des Prozesses berichtet Dr. Theodor Ziegler, Lehrbeauftragter an der Evang. Hochschule Freiburg und Mitglied des Arbeitskreises der EKIBA bei einem Studientag am 29. Januar 2019 von 10-16 Uhr in Nürnberg - St. Jobst. Herzliche Einladung!

Hans-Jürgen Krauß (NEFF) berichtet von dem Studientag:

Sicherheit neu denken

Studientag Frieden  

Es ist 12 Uhr mittags. Die Glocken von St. Jobst im Nürnberger Osten läuten zum Mittagsgebet. Im Gemeindesaal singen vierzig friedensengagierte Menschen den Kanon Dona nobis pacem. Ein Moment der Besinnung beim Studientag „Kirche des gerechten Friedens werden – wie geht das?“, der am 29. Januar stattgefunden hat.

Eine Kooperation von verschiedenen Gruppen hatte sich zusammengefunden und gemeinsam dafür eingeladen: ausgehend vom Arbeitskreis „Schwerter zu Pflugscharen“ im Nürnberger Evangelischen Forum für den Frieden (NEFF), waren die Arbeitsstelle Kokon der elkb, der Arbeitskreis für Evangelische Erneuerung (AEE), der Initiativkreis Frieden, Pax Christi und das Ökumenische Netz Bayern dabei – und diesem Veranstalterkreis hatte sich auch die Rummelsberger Brüderschaft angeschlossen.

Das Kreuz Christi als Zeichen der Gewaltfreiheit – was bedeutet das für unsere Kirche? Nicht nur Theologen oder Synodale, sondern viele aktive Christinnen und Christen sehen sich von dieser Frage herausgefordert.

Von der militärischen zur zivilen Sicherheit

Dr. Theo Ziegler (65), Diakon und Erziehungswissenschaftler, ehemaliger Beauftragter für KDV-Beratung in der badischen Landeskirche und langjähriger Friedensaktivist, berichtete von den Diskussionen in der badischen Landeskirche zu den Fragen der Friedensethik. Diese haben zu einem Konzept geführt mit dem Titel „Sicherheit neu denken – von der militärischen zur zivilen Sicherheitspolitik“ (www.ekiba.de/friedensethik).

Wie kommen wir von einer militärisch geprägten zu einer zivilen Sicherheitspolitik? Die Evangelische Landeskirche in Baden legt jetzt ein Szenario vor, das konkrete Schritte aufzeigt, wie unser Land bis zum Jahr 2040 eine zivile Sicherheitspolitik entwickeln kann. Dabei werden fünf Säulen benannt, die bei dieser Entwicklung wesentlich sind: Gerechte Außenbeziehungen, nachhaltige Entwicklung der EU-Anrainerstaaten, Teilhabe an der internationalen Sicherheitsarchitektur, resiliente Demokratie und Konversion der Bundeswehr wie auch der Rüstungsindustrie.

Theo Ziegler ging es aber nicht nur um die Friedenspolitik. Er verwies auf die biblischen Bilder, die uns allen vertraut sind und deren Inhalte unseren Glauben prägen: die Arche als Schutzraum für den Planeten Erde, die Taube als Zeichen der Sanftmut, und den Regenbogen als Symbol des Miteinanders der Verschiedenen. Gewaltfreiheit hat eine verändernde Kraft, wie man am Bibelwort der Schwerter zu Pflugscharen (Jes 2,4) sehen kann, das die gewaltfreie Revolution im Deutschland des Jahres 1989 geprägt hat.    

Der Beitrag der Kirchen

Die weltpolitische Lage ist bedrohlicher geworden in den letzten Jahren, der Frieden zunehmend unsicherer – was bedeutet das für die Kirchen? Bei den Teilnehmenden des Studientages war viel Skepsis vorhanden, ob unsere bayerische Landeskirche sich zu einem ähnlichen Weg wie die Badener entschließen könnte. An Initiativen von der Basis her mangelt es nicht. Hans-Willi Büttner, Sprecher der AEE, verwies auf die Erklärung „Den Drachen an der Leine führen“ (Nov 2016), in der sich seine Gruppe sehr entschieden für eine kirchliche Friedensinitiative stark gemacht hat.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Studientages werden jedenfalls sehr interessiert beobachten, wie sich unsere Landessynode auf ihrer Tagung vom 25. bis 28. März zur Friedensfrage positioniert. Vielleicht kommt es aber gar nicht so sehr auf die kirchenoffiziellen Stellungnahmen an (auch wenn sich da die badische Landeskirche sehr mutig gezeigt hat), sondern auf die Christinnen und Christen in unserer Kirche, die dieses Thema bewegt.

Hans Häselbarth, im Ruhestand lebender Pfarrer und seit Jahren ein wichtiger Akteur der kirchlichen Friedensbewegten, hat das am Schluss des Studientages so formuliert: Wir sind dabei, uns von der Volkskirche, die es allen recht machen will, zu verabschieden und uns weiter zu entwickeln als Bekenntniskirche, die verstärkt danach fragt, was es auch gesellschaftlich heißt, sich am Evangelium zu orientieren. Das ist die Herausforderung für uns, dass wir angesichts einer zunehmend prekären Weltlage verstärkt danach fragen, was die Überwindung von Hass und Feindschaft im Evangelium für das Zusammenleben der Menschen auf unserem Planeten bedeutet und welchen Auftrag der Gewaltverzicht Jesu für uns bereithält.

Hans-Jürgen Krauß